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Kairo, erholsam und informativ
Das orientalische Treiben in Kairo
Berichte
Kairo, erholsam und informativ In Kairo werden Phantasiewelten Wirklichkeit. In den Gräber der alten Pharaonen, in den Pyramiden, in den Kirchen und Synagogen, in den Moscheen und in den Märkten, dort wo 6000 Jahre Menschengeschichte steht, flüstert einem die Geschichte in den Ohren: "du! hier waren millionen vor dir, nach dir werden andere millionen kommen, alle kommen und gehen, nur ich bleibe und erzähle weiter". Die ganze Geschichte lesen
Das orientalische Treiben in Kairo Im Januar 2011 haben wir alle miterlebt, wie die Ägypter mit Tanz und Musik, mit Witz, Theater und Zusammenhalt den Diktator zum Sturz gezwungen haben. Nach 18 Tagen Aufenthalt in der Stadtmitte (Tahrir-Platz) war der Abgang des Diktators perfekt. Dann haben sie den Platz geräumt, geputzt und die Straßen gestrichen. Die ganze Geschichte lesen
Berichte Urlauber berichten über ihren Besuch in Kairo Die ganze Geschichte lesen

Abdo und Osmana im Gespräch

Hier ist Abdo, der kleine, unerfahrene Junge, und das ist sein Kollege Osmana, der alte, weise Mann. Eines Morgens stellte Abdo die Frage aller Fragen und überraschte seinen älteren Kollegen damit:
sag mal Osmana, in meinen Dokumenten ist mein Name Abdulla, und du heißt doch auch Othman in der Wahrheit. Wie sind wir zu Abdo und Osmana geworden? Und warum rufen uns die Leute nicht mit Abdulla und Othman, wie wir eigentlich heißen!

Osmana wurde plötzlich nervös, legte die Putzlappen aus der Hand, starrte den jungen Diener an und sagte: hör mal Junge, es ist eine uralte Tradition, so alt wie Ägypten selbst. Jeder Ägypter ist ein Abdo oder ein Osmana, so steht es in den Geschichtsbüchern. Schon seit unserm großen Vater, seit dem Pharao Cheops ist jeder Ägypter ein Abdo oder ein Osmana. So, denke nicht darüber nach und lebe damit. Spreche nie wieder darüber. Du bist Abdo und fertig.

Den kleinen, klugen Abdo überzeugte die Antwort nicht und hackte nach: wie denn, das kann doch nicht sein. Soll das heißen, dass unser größerer Herr auch ein Abdo oder ein Osmana ist!?

Osmana stand schnell auf, rannte zum Jungen hin und legte seine Handfläche auf dessen kleinen Mund und sagte: halte deinen Mund und sag so was nie wieder…. Ja er ist auch ein Abdo oder ein Osmana, aber rede nie wieder so ein Mist. Ich bringe dich lieber um, wenn ich dich so sprechen höre, verstanden.

Abdo wurde für einen Moment sprachlos, überlegte kurz, ließ sich nicht stumm halten aber wurde leiser: Aber wie denn, unser großer Herr ist auch ein Osmana wie du, und sein Sohn, dem das ganze Land gehört, der alles hat, der jeden mit seiner Peitsche haut, unser Junior Herr ist auch ein Abdo wie ich?! Bist du verrückt Osmana. Das kann doch nicht sein.

Guck mal Junge, sprach Osmana weiter: seit Urzeiten her ist jeder Ägypter ein Abdo oder ein Osmana. Mansche leben gut, essen gut, schlafen besser, sind glücklich und reich, manche nicht, leben schlechter halt. Aber noch nie war der Ägypter richtig frei, schon immer wurde er mit Gewalt gezügelt, noch nie hat die schöne Braut Ägypten ihren Ehemann wählen dürfen. Schau mal Junge, wenn ein Ägypter kein Tyrann aus seinem Stamm findet, sucht er nach einem unter den Fremden, weshalb auch dieses Land von allen fremden Mächten besetzt war, es liegt an uns Ägypter. Wir lieben und verehren unseren Herren, egal wer, welche Hautfarbe oder Herkunft er hat. Wer mit der Waffe siegt, der herrscht über Ägypten und wer über Ägypten herrscht wird geliebt. Was sagen wir schön „Wer meine Mutter heiratet nenne ich Onkel“.

Der kleine Abdo hörte skeptisch zu, während Osmana fortfährt:
hör mal Junge, diese ägyptische Eigenschaft ist sehr nützlich für uns, es hat viele Vorteile für das Volk und wir leben glücklich damit. In keinem anderen Land auf Erden kannst du mit Schmiergeld alles erreichen, ein Richter werden, ein Polizist werden, Künstler oder Maler werden, ein Journalist oder ein Businessman. Der Sohn eines Schauspielers wird ein Schauspieler, die Tochter einer Sängerin wird Sängerin, der Sohn eines Fernsehsprechers wird Fernsehsprecher, eines Lehrers wird Lehrer usw.. Du bist Diener geworden, weil dein Vater ein Hausdiener war. Wo gibt es denn so was Schönes außer hier bei uns. Wir bauen Betonklötzen auf dem schönen landwirtschaftlichen Flächen und keine sagt was. Wir leben auf nur 6% unseres Landesfläche und keine macht was. Über die Hälfte des ägyptischen Volks arbeitet eigentlich nichts, schafft nichts, produziert nichts, aber wir leben doch alle. Unsere Töchter und Jungen sind überall auf der Welt verstreut ihr Brot hinterherrennen und keine sucht nach ihnen. Du brauchst nur dein Bart wachsen zu lassen, eine Galbia anzuziehen, in die Moschee ein und aus zu gehen, um dir bei dem anderen Respekt und Würde zu verschaffen. Heimlich machst du aber jeden Mist was du willst. Eine großartige Sache. Gibt’s schöneres Land wie dieses!?

Abdo fiel der Kopf runter und fragte traurig nach: heißt das, dass ich immer Abdo bleiben muss, niemals Abdulla werde.? Das will ich aber nicht. Ich werde allen sagen, dass ich Abdulla heiße, und dass sie mich mit meinem Namen rufen müssen.

Osmana schämte sich, umarmte den kleinen Jungen, trocknete seine Tränen und sagte: Du bist noch jung und unerfahren. Weißt du Abdulla, alle die so was gesagt haben und Abdullas oder Othmans wollten werden liegen jetzt im Grab oder sitzen hinter höheren Mauern. Willst du auch so enden.
Du hast doch schon dein Handy und ein Fernsehen und ich kaufe noch ein Satanlage für dich. Zufrieden Abdo…?