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Kairo, erholsam und informativ
Das orientalische Treiben in Kairo
Berichte
Kairo, erholsam und informativ In Kairo werden Phantasiewelten Wirklichkeit. In den Gräber der alten Pharaonen, in den Pyramiden, in den Kirchen und Synagogen, in den Moscheen und in den Märkten, dort wo 6000 Jahre Menschengeschichte steht, flüstert einem die Geschichte in den Ohren: "du! hier waren millionen vor dir, nach dir werden andere millionen kommen, alle kommen und gehen, nur ich bleibe und erzähle weiter". Die ganze Geschichte lesen
Das orientalische Treiben in Kairo Im Januar 2011 haben wir alle miterlebt, wie die Ägypter mit Tanz und Musik, mit Witz, Theater und Zusammenhalt den Diktator zum Sturz gezwungen haben. Nach 18 Tagen Aufenthalt in der Stadtmitte (Tahrir-Platz) war der Abgang des Diktators perfekt. Dann haben sie den Platz geräumt, geputzt und die Straßen gestrichen. Die ganze Geschichte lesen
Berichte Urlauber berichten über ihren Besuch in Kairo Die ganze Geschichte lesen

die Strassenteufel von Kairo

Abgesehen von den Prestigeprojekten der jetzigen ägyptischen Regierung wie die neue Verwaltungshauptstadt, das neue Grand Museum, und die U- und Schnellbahnen von Kairo ließ der frühere Staatschef Mubarak über 30 Jahre lang das Verkehrsnetz der Stadt völlig zusammenbrechen und den Menschen diese Sache sich selbst überlassen.

Der staatliche Busbetrieb Kairos besitzt insgesamt 4000 Busse, davon funktionieren wirklich nur 2500 Bus – wie der Chef der Gewerkschaft der öffentlichen Busfahrer in einem Interview offenbart hat. Straßenbahnen wurden der Art vernachlässigt, dass das ganze Straßenbahnnetz der 20 Millionen-Stadt Kairo nur 3000 Personen am Tag durch die Stadt befördert. Die historische Straßenbahn von Heliopolis wurde trotz Proteste aus der Bevölkerung vollständig stillgelegt und später wurden die Schienen abgerissen. Stadtbewohner haben vergessen, dass es in Kairo früher mal Straßenbahnen gab. Kairo ist heute die einzige Großstadt der Welt, die keine Straßenbahn hat.

Weil die Ägypter sich auf ihrer Regierung noch nie verlassen könnten, haben sie die Sache selbst in der Hand genommen, und wie ich selbst über eine ganze Woche erfahren dürfte, funktioniert es wunderbar.

Letzte Woche habe ich mein altes verkauft und ein neues Auto bestellt. Seit dem, erstmalig und bis heute bin ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln den ganzen Tag unterwegs. Öffentliche Verkehrsmittel heißt hier „Mikrobusse“ oder Sammeltaxis. Ein Wundermittel sich durch Kairo leicht, schnell, billig und einigermaßen menschenwürdig zu bewegen. Die Junges haben ein perfektes Netz von Klein -und Mikrobusse gebaut, sodass man kaum 2 Minuten stehen muss bis der nächste Bus da ist. Man sitzt wunderbar in diesen Kleinbussen von Toyota und Nissan. Man unterhält sich gemütlich während der Fahrt, und beim Aussteigen brauchst du nur „Salam“ zu sagen. Vier bis fünf Pfund kostet die Fahrt überall hin. Die Leute wissen wie es funktioniert. Die Fahrgäste, die ganz hinten sitzen sammeln die Fahrkosten zusammen, geben sie einem der auf dem vorderen Sitz Platz hat, und der gibt das gesammelte Geld so weiter bis zum Fahrer in die Hand. Das geht so automatisch, hat sich schon eingebürgert.

Du kannst überall, irgendwo, an irgendeinem Punkt am Straßenrand stehen und den Kleinbus anhalten, einsteigen, und genau da wieder aussteigen wo du aussteigen willst. Fahrer und Fahrgäste haben eine Zeichensprache entwickelt, um eben zu deuten, wohin der Bus fährt, oder in welcher Richtung will der Fahrgast hin. Man macht seine Handfläche zwei Mal auf und zu, wenn man den Busbahnhof von 10. Ramadan beabsichtigt. Dreht man seine Zeigefinger 2- oder 3-mal um deutet man hin, dass der gewünschte Weg das „Ring Road“, also „Stadtgürtel“ von Kairo ist. Willst du aber in die Stadtmitte fahren schiebst du den Daumen zwischen den anderen, geschlossenen 4 Finger rein und hebst die Hand hoch. Ich weiß, bei euch bedeutet diese Geste was anderes, nicht!

Die Busse sind alle im Privatbesitz. Die Besitzer verdienen sehr gut, aber der Staat kassiert auch jede Menge Geld in Form von Steuern und Abgaben, aber auch setzt die Fahrer stark unter Druck, weil sie Verkehrschaos durch ihr chaotisches Fahrverhalten. Die Fahrer halten mutig dagegen und drohen jetzt mit Streiks. Sie können, wenn sie wollen das öffentliche Leben in Kairo völlig lahmlegen, wollen sie aber nicht wirklich, obwohl sie schon mal mit Streik gedroht haben. Sie bleiben eben die – von den anderen Verkehrsteilnehmern auf ewig unbeliebten – aber guten und netten Strassenteufel von Kairo.